Die Prozente-Falle – Einstiegszins und attraktiven Renditechancen der Postbank

Die Prozente-Falle – Einstiegszins und attraktiven Renditechancen der Postbank
Mit 8 Prozent Einstiegszins und attraktiven Renditechancen lockt Anfang 2009 die Postbank Kunden in die Anlage Top Invest. 8 Prozent gibt es fürs Festgeld, die attraktiven Renditen sollen Investmentfonds bringen. Für Festgeld zahlen andere zur selben Zeit bestenfalls die Hälfte. Dann nix wie hin und zugegriffen, oder? Bloß nicht!

Bei dem Angebot handelt es sich um eine Kombination von Festgeld und Investmentfonds. Solche sogenannten Fonds-Kombiprodukte gibt es in zwei Varianten, von denen die eine sich kaum und die andere sich gar nicht lohnt.

Bei der ersten Variante teilt der Bankkunde seinen Anlagebetrag auf, die eine Hälfte fließt auf ein Festgeldkonto, für die andere kauft er Fonds. Die Südwestbank bot diese „clevere Anlagekombination” im Frühjahr 2009 an.

Wer 5 000 Euro bringt, bekommt für 2 500 Euro ein Festgeld mit einem Jahr Laufzeit und einer Verzinsung von 3,25 Prozent pro Jahr und für die anderen 2 500 Euro kauft er Fonds. Die Idee ist erst mal in Ordnung, wenn der Kunde sein Geld ohnehin auf verschiedene Anlagen verteilen und den einen Teil kürzer und den anderen längerfristig anlegen will. Allerdings ist es üblich, dass die Bank für die Fonds den vollen Ausgabeaufschlag verlangt. Das schmälert den verlockenden Zins wieder. Ein weiterer Haken:
Oft ist die Fondspalette recht klein. Wer Festgeld und Fondskauf getrennt voneinander abwickelt, hat wesentlich mehr Auswahl. Viel unvorteilhafter noch ist die zweite Variante. Hier fließt das Geld des Kunden zunächst auf das Festgeld und von dort in mehreren Monatsraten in Fonds.

Die Kosten fressen die Zinsen auf
Hier ein fiktives Beispiel für eine Anlage von 3 000 Euro im Januar und den Kauf von Aktienfonds zum dafür üblichen Ausgabeaufschlag von 5 Prozent:

Monat

 

im Festgeld (in Euro) Zins fürs Festgeld (in Euro) Kauf von Fondsanteilen (in Euro) Kosten für den Kauf (in Euro)
Januar 2 500,00 16,67 500,00 25,00
Februar 2000,00 13,33 500,00 25,00
März 1 500,00 10,00 500,00 25,00
April 1 000,00 6,67 500,00 25,00
Mai 500,00 3,33 500,00 25,00
Juni 0,00 0,00 500,00 25,00
    50,00   150,00

 
Fazit: Von den 8 Prozent Zinsen bleibt nichts übrig. Unterm Strich zahlt der Anleger 100 Euro drauf. Auch hier wird meist der volle Ausgabeaufschlag fällig. Bei diesem Modell bleibt unterm Strich nichts vom Zins übrig, im Gegenteil. Das „Postbank Top Invest” folgt dem zweiten Modell. Jeden Monat fließt ein Sechstel des Anlagebetrages in einen von 18 Fonds, die man sich aussuchen darf. Es sind ein paar gute Fondsangebote dabei. Trotzdem lohnt sich das Angebot nicht, wie unsere Beispielrechnung zeigt, im Gegenteil, der Anleger zahlt sogar drauf (Tabelle oben).

Das können Sie dagegen tun: Bleiben Sie stark! Wollen Sie Festgeld, schließen Sie eine Festgeldanlage ab. Wollen Sie Fonds, kaufen Sie Fonds. Möchten Sie beides, wickeln Sie die Geschäfte getrennt voneinander ab. Legen Sie Ihr Geld dort fest, wo es die besten Zinsen gibt. Holen Sie sich die Fonds mit der besten Qualität und möglichst einem Rabatt auf den Ausgabeaufschlag. Rabatte geben Direktbanken wie zum Beispiel die ING-Diba, Cortal Consors, comdirect, die DAB Bank, Maxblue oder S-Broker. Bis zu 100 Prozent Rabatt auf den Ausgabeaufschlag bekommen Sie bei freien Fondsvermittlern. Eine Liste von Vermittlern finden Sie in unserem Geldanlage-Ratgeber. Machen Sie die Probe aufs Exempel. Würden Sie in dem oben genannten Beispiel nur den halben Ausgabeaufschlag bezahlen, wären das unterm Strich nur 75 statt 150 Euro. Da können Sie die Raten gleich vom verzinsten Girokonto überweisen.

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