Der 100-Prozent-Lockstoff – Banken und Banksparpläne Angebote

Der 100-Prozent-Lockstoff – Banken und Banksparpläne Angebote
Durch regelmäßiges Sparen kann im Laufe der Zeit ein hübsches Sümmchen Zusammenkommen. Banken bieten dafür Banksparpläne an. Der Kunde zahlt regelmäßig ein und bekommt dafür Zinsen. Um ihn bei der Stange zu halten, schlagen die Anbieter zusätzlich schwindelerregenden Bonus drauf. 25 Prozent, 50 Prozent und sogar 100 Prozent sind drin. Wirklich? Die Anbieter von Sparplänen arbeiten mit großen Zahlen: 50 oder sogar 100 Prozent Bonus sollen die Sparer erwarten, wenn sie einen Sparplan abschließen. Das klingt doch toll, 3 000 Euro sparen, und dann legt die Bank noch mal 3 000 Euro drauf, oder? „Werch ein Illatum!”, um mit dem österreichischen Dadaisten Ernst Jandl zu sprechen. Die Banken zahlen die Boni auf alles Mögliche, aber eben meist nicht auf die Summe, die bis dahin auf dem Sparplan ist.

Bonussysteme gibt es viele. Bis zu zehn unterschiedliche hat die Stiftung Warentest schon gezählt. Manche Banken legen am Ende der Spätzeit tatsächlich ein paar Prozent auf die angesparte Summe drauf, doch dann beträgt der Bonus keine sagenhaften 50 oder 100 Prozent, sondern liegt viel niedriger, bei der Ethikbank zum Beispiel bei 8 Prozent. Bei einer anderen Variante gibt es zwar einen zweistelligen Bonus, aber nur auf die Zinserträge des jeweils abgelaufenen Jahres. Der Bonus wird umso höher, je länger der Kunde bei der Stange bleibt.

Am häufigsten ist die Variante, bei der die Bank dem Sparer einen Bonus auf die im Jahr zuvor gezahlten Sparbeiträge bezahlt. Auch hier steigt der Bonus mit der Laufzeit. Beim Postbank Sparplan zum Beispiel gibt es nach dem zweiten Jahr einen Bonus von 1 Prozent. Für das 7. Jahr gibt es 10 Prozent, für das zehnte Jahr 25 Prozent und für das 25. Jahr sogar 100 Prozent.

Zahlt der Sparer 100 Euro im Monat ein, legt die Postbank für die 1 200 Euro, die er im 25. Jahr einbezahlt, noch einmal dieselbe Summe drauf. Ein Bonus von 100 Prozent, aber nur für die Sparleistung dieses Jahres, nicht auf die bis dahin eingezahlte Gesamtsumme. Das klingt erst mal nicht schlecht. Aber bei genauerer Betrachtung ergibt sich über die Laufzeit von 25 Jahren derzeit nur eine Renditeerwartung von 3,72 Prozent pro Jahr. Renditeerwartung deshalb, weil Sparpläne mit variabler Verzinsung im Voraus nicht genau kalkuliert werden können. Zurzeit beträgt die Grundverzinsung 1,25 Prozent. Welche Kulisse die Postbank mit den Boni von bis zu 100 Prozent aufbaut, zeigt ein Vergleich mit Produkten, die kürzer laufen. Finanztest hat im Frühjahr 2009 Banksparpläne getestet und zu diesem Zeitpunkt den Sparplan der Mercedes-Benz Bank mit einer festen Zinstreppe und Kündigungsrecht am besten gefunden. Er hat eine klar zu berechnende Rendite von 3,5 Prozent nach sechs Jahren. Eine Renditeerwartung von 3,72 Prozent gibt es beim Postbank-Sparplan erst nach 25 Jahren. Nach sechs Jahren sind es nur rund 2,36 Prozent.

Das führt zu deutlich sichtbaren Unterschieden auf dem Konto. Nach sechs Jahren hat der Sparer auf dem Postbank-Sparplan rund 7 734 Euro. Auf dem Mercedes-Benz Bank Sparplan haben sich nach sechs Jahren und einer Sparrate von 100 Euro monatlich 8 008 Euro angesammelt. Das sind etwa 274 Euro mehr, obwohl die Mercedes-Benz Bank keinerlei Bonus verspricht. Anfang Juli 2009 hätte das für einen einwöchigen Pauschalurlaub auf Mallorca gereicht. Das können Sie dagegen tun: „There is no free lunch (sinngemäß: Man bekommt nichts geschenkt)”, hat Milton Friedman, der den Nobelpreis für Wirtschaft gewonnen hat, gesagt. Zumindest für Geldanlagen stimmt dieser Satz. Lassen Sie sich von den Boni bei Banksparplänen nicht blenden. Es gibt sie nur, wenn Sie sich über lange Laufzeiten an ein Produkt binden. Das zu tun widerspricht der Lebenserfahrung. Vergleichen Sie besser die Rendite kürzerer Laufzeiten und entscheiden sich dann anhand der Fakten, nicht anhand vager Erwartungen.

Laufzeiten von drei, vier oder höchstens sechs Jahren haben den Vorteil, dass Sie Ihr angespartes Geld in kürzeren Intervallen in lukrativeren Geldanlagen neu anlegen können. Und wenn Sie wirklich meinen, 25 Jahre jeden Monat so und so viel sparen zu können, dann eignen sich Aktienfondssparpläne für Sie viel besser. Die Renditechancen liegen zwischen 8 und 10 Prozent und Schwankungen lassen sich über die Jahrzehnte hinweg verkraften.

Sparpläne im Überblick
Sie bekommen drei Arten von Sparplänen angeboten: Sparpläne mit einer festen Zinstreppe und vorzeitigem Kündigungsrecht, Sparpläne mit variablen Zinsen und ebenfalls vorzeitigem Kündigungsrecht sowie Sparpläne mit festen Zinsen und fester Laufzeit, aus denen Sie nur mit Renditeverlusten aussteigen können.

Die Stiftung Warentest hat im Frühjahr 2009 die gängigen Angebote verglichen. Am besten und bequemsten sind Sparpläne mit fester Zinstreppe und Kündigungsrecht. Bei ihnen steigt der Zins jedes Jahr an, ausgehend von einer meist marktgerechten Grundverzinsung. Steigen die Zinsen, können Sie kündigen und in einem höher verzinsten Sparplan weiter sparen. Die Sparpläne mit der variablen Verzinsung und Boniversprechen haben schlecht abgeschnitten. Die von den Banken versprochenen Prämien dienen nur dazu, Sie bei der Stange zu halten. Warten Sie nicht auf die Boni, lassen Sie Ihr Geld von Anfang an vernünftig arbeiten. Ambivalent sind die Sparpläne mit festem Zinssatz über eine von Anfang an verabredete Laufzeit. Ist die Laufzeit lang, das heißt länger als vier Jahre, schneiden diese Produkte schlecht ab. Eine feste Laufzeit von drei oder vier Jahren können Sie akzeptieren, aber nur dann, wenn der Zins mit anderen Angeboten mithalten kann. Sonst können Sie Ihre Sparraten auch aufs Tagesgeldkonto überweisen.

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