Bausparzinsen zu viel versprochen und Bausparförderung – wichtige Info
Bausparkassen versprechen hohe Guthabenzinsen für Sparer, die lediglich ihr Geld rentabel anlegen wollen und nicht im Traum daran denken, später einmal eine Immobilie zu finanzieren. Doch viele Zinsangaben täuschen über die mickrigen Renditen, die Bausparer tatsächlich erzielen. Guthabenzinsen „bis zu 5,30 Prozent” verspricht zum Beispiel die Quelle Bausparkasse. Das ist nicht gelogen, aber dreist. Denn der hohe Zins gilt nur für das siebte bis neunte Spätjahr. In den ersten drei Jahren zahlt die Bausparkasse winzige 1,00 Prozent und weitere drei Jahre 3,15 Prozent Zinsen. Bevor die ersten Zinsen fließen, zieht die Bausparkasse eine Abschlussgebühr in Höhe von 1 Prozent der vereinbarten Bausparsumme von den Sparraten ab. Dazu kommen jedes Jahr Kontogebühren von 9,20 Euro. Unterm Strich sind für Bausparer selbst bei neun Jahren Spätzeit kaum mehr als 3 Prozent Rendite drin. Attraktiv wird das Angebot allenfalls durch die staatliche Bausparförderung mit Prämien oder Zulagen (Kasten folgende Seite). Vollmundige Versprechungen machen auch andere Bausparkassen. BHW/Postbank wirbt mit einer „Gesamtverzinsung” bis zu 4 Prozent für den Tarif Dispo maxx. Für eine absolut sichere Anlage wäre das toll. 4 Prozent zahlt die Bausparkasse aber nur, wenn die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere am 15. Dezember des Vorjahres über 6 Prozent lag. Zuletzt gab es das im Jahr 1992! Für das Jahr 2009 beträgt die Verzinsung beim BHW nur 3 Prozent. Zieht man davon die Abschlussgebühr ab, bleibt je nach Höhe der Bausparsumme eine echte Gesamtverzinsung von nur noch 2,1 bis 2,7 Prozent übrig.

Mit Tücken müssen Bausparer auch im Kleingedruckten rechnen. Die Verzinsung für Renditebausparer besteht aus einem Basiszins und einem Bonuszins, den die Bausparkasse auszahlt, wenn der Bausparer kein Darlehen in Anspruch nimmt. Der sichere Basiszins beträgt meist nur 1 bis 2 Prozent. Der Bonuszins ist jedoch nach den Tarifbedingungen der Bausparkassen oft an komplizierte Voraussetzungen geknüpft. Bevor die Bausparkasse den Bonus zahlt, muss der Bausparer mindestens sieben Jahre lang sparen. In vielen Tarifen muss der Vertrag außerdem bereits zugeteilt sein. Dafür muss der Bausparer ein Mindestguthaben von 40 oder 50 Prozent der Bausparsumme ansparen und eine von der Kasse berechnete Bewertungszahl erreichen. Lässt sich der Bausparer das Guthaben vorher auszahlen, ist der Bonus futsch. Und auch die Bausparkassen sind nicht verlegen, wenn es darum geht, sich Finten auszudenken, durch die sie sich um die Bonuszahlung drücken können. Zwei Beispiele: Kunden der Allianz-Dresdner Bausparkasse verlieren den Großteil des Zinsbonus, wenn sie in einem Kalenderjahr weniger als 3 oder mehr als 12 Prozent der Bausparsumme sparen. Die Deutsche Bank Bausparkasse stoppt die Bonuszinsen, sobald der Vertrag erstmals zugeteilt werden kann – auch wenn der Bausparer weiter spart. Danach gibt es nur noch 1 statt 4 procent.

Das können Sie dagegen tun: Lassen Sie sich von angeblich hohen Bonuszinsen nicht beeindrucken. Verlangen Sie, dass die Bank oder Bausparkasse vorrechnet, wie sich der angebotene Bausparvertrag für Sie rentiert. Geben Sie vor, wie viel Sie monatlich sparen wollen und wann Sie über Ihr Geld verfügen möchten. Lassen Sie sich einen Sparplan erstellen, aus dem hervorgeht, wie viel Geld die Bausparkasse am Ende der Spardauer einschließlich Bonuszinsen und eventueller staatlicher Förderung auszahlt. Lassen Sie sich außerdem die Rendite ausrechnen und schriftlich geben. So können Sie das Bausparangebot einfach mit anderen Sparplänen vergleichen. Pfeifen Sie auf das Angebot, wenn die Bank dafür keine Rendite ausrechnen will.

Bausparförderung
Als reiner Sparvertrag lohnt sich ein Bausparvertrag allenfalls mithilfe der staatlichen Bausparförderung. Bei neuen Rendite-Verträgen gibt es die Förderung aber nur noch für junge Sparer unter 25 und für Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen.

Wohnungsbauprämie: Bausparer mit einem zu versteuernden Einkommen bis zu 25 600 Euro (bei Ehepaaren 51 200 Euro) erhalten 8,8 Prozent Prämie auf Bausparleistungen bis zu 512 Euro im Jahr (Ehepaare 1 024 Euro). Die maximale Förderung beträgt daher 45,06 Euro im Jahr (Ehepaare 90,11 Euro). Wer den Vertrag nach dem 31. Dezember 2008 abgeschlossen hat, bekommt die Prämie aber nur, wenn er seinen Vertrag für „wohnungswirtschaftliche Zwecke” einsetzt, also vor allem für den Bau, den Kauf oder die Modernisierung einer Immobilie. Ausnahme: Bausparer, die bei Vertragsabschluss noch keine 25 Jahre alt sind, können nach Ablauf einer siebenjährigen Sperrfrist mit ihrem Geld machen, was sie wollen, ohne die Prämie zu verlieren.

Arbeitnehmersparzulage: Liegt ihr zu versteuerndes Jahreseinkommen nicht höher als 17 900 Euro (bei Ehepaaren 35 800 Euro), bekommen Arbeitnehmer 9 Prozent Sparzulage auf vermögenswirksame Leistungen bis zu 470 Euro im Jahr, die sie in einen Bausparvertrag anlegen. Nach sieben Jahren können sie frei über das Bausparguthaben verfügen. Vorher dürfen sie den Vertrag allerdings ausschließlich für wohnungswirtschaftliche Zwecke verwenden.

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