Banken auf Toren-Jagd – der Geldbeutel locker

Banken auf Toren-Jagd – der Geldbeutel locker
Fußballfans sind eine leichte Beute. Vereinsschals, Mannschaftsposter, T-Shirts der Lieblingsspieler, Bettwäsche – wenn es um den Lieblingsclub geht, sitzt der Geldbeutel locker. Das ist auch den Marketingstrategen der Banken aufgefallen und flugs haben sie Sparangebote kreiert, deren Zins vom Erfolg der heimischen Kicker abhängt. Ein leichtes Spiel: Die Bank gewinnt so gut wie immer, der Anleger schleicht mit ein paar lausigen Prozenten als Verlierer von dannen. Der Fußballfan an und für sich reagiert nicht rational. Banken haben das erkannt und nutzen den Spieltrieb der Fans aus. Warum ihnen nicht eine völlig irrationale Geldanlage anbieten?

Pionierin in Sachen Fußballzinsen war die Hypovereinsbank. Sie brachte im Jahr 2003 die FC-Bayern-Sparkarte auf den Markt. Dabei handelt es sich um ein Sparkonto mit gestaffelter Grundverzinsung. Je höher die Sparsumme, desto höher der Zins. Aber auch wer mehr als 25 000 Euro auf dem Konto anlegt, kann sich nicht über Topzinsen freuen.

0,1 Prozentpunkte mehr gibt es für jedes zehnte Heimtor des FC Bayern München. Das ist zwar ein Spitzenclub, doch mehr als durchschnittlich 40 Tore schießen die Münchner Kicker zuhause nicht – macht 0,4 Prozentpunkte, allerdings verteilt über die ganze Bundesligasaison. Jedes Mal, wenn der FC Bayern Meister wird, gibt es für den Monat Juni zusätzliche 5 Prozent. Immerhin: Das kam in den vergangenen zehn Jahren sechs Mal vor. Trotzdem reicht die Rendite nicht an die Spitzenzinsen der besten Tages- und Festgeldangebote heran.

Kühle Rechner lassen deshalb die Finger davon. Heißblütigen Fans kann das HVB-An- gebot dennoch Anreize bieten: Die Sparkarte, eine Plastikkarte, mit der die Sparer über ihr Geld verfügen können, trägt das Bild der Bayernelf. Darüber hinaus verlost die HVB außerdem Eintrittskarten für Bundesliga-, Pokal- und Champions-League-Heimspiele, die Fahrt zu einem Auswärtsspiel in Europa, dazu handsignierte Trikots, Bälle und andere Fanartikel. Bei den Sparda-Banken West und Münster gibt’s eine schwarz-gelbe Karte für Fans von Borussia Dortmund. Dahinter steckt ein Sparbuch mit Grundverzinsung und der Chance auf einen Zinsbonus. Immer wenn die BVB-Kicker ein Bundesligator schießen, gibt’s 0,5 Prozentpunkte Zinsen obendrauf, allerdings nicht fürs ganze Jahr, sondern nur bis zum nächsten Spiel – falls das am Wochenende stattfindet. Spiele unter der Woche bringen nichts Zählbares ein. Auch ein torreiches Spiel vor der Winterpause nützt nicht viel: Der Bonus gilt nur bis Jahresende und nicht bis zum Beginn der Rückrunde.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat nachgerechnet. „Wer vor der Saison 2007/2008 beispielsweise 2 500 Euro in die schwarz-gelbe Karte des Dreizehnten der Bundesliga, Borussia Dortmund, investiert hatte, durfte sich im Sommer 2008 über Zinserträge von 77,47 Euro freuen”, schrieb sie. „Dieselbe Summe auf der Sparkarte des souveränen Meisters und Pokalsiegers Bayern München angelegt, hätte hingegen gerade mal 56,67 Euro gebracht.” Die schwarz-gelbe Karte brachte es auf 3,1 Prozent pro Jahr, die Bayern-Karte auf 2,27 Prozent. Zum Vergleich: Für gutes Tagesgeld gab es damals 3,5 bis 4 Prozent, für Festgeld mit einem Jahr Laufzeit 4 bis 4,5 Prozent Zinsen. Bundesweit größere Aufmerksamkeit erzielen die Banken mit Angeboten zu Europa- und Weltmeisterschaften. Die sind meistens so gestrickt, dass der Zins umso höher wird, je weiter es die deutsche Mannschaft im Turnier schafft. Bei der EM 2008 zum Beispiel bot die Dresdner Bank ein Europameisterkonto an mit einer Grundverzinsung von 3,75 Prozent pro Jahr und einem Europameisterbonus von 1,25 Prozent. Dummerweise verloren Jogi Löws Männer das Finale gegen Spanien. Kunden der PSD Bank Rhein-Ruhr hatten es besser: Die Bank legte schon beim Einzug ins Halbfinale einen drauf.

Das können Sie dagegen tun: In die Offensive gehen. Wer seine Erträge davon abhängig machen will, wie der Lieblingsverein in der Liga oder die Nationalelf bei Turnieren abschneiden, sollte ins Wettbüro gehen. Dort geht es realer zur Sache. Zwar kann der Einsatz verloren gehen, doch stehen den Verlustrisiken echte Chancen gegenüber. Geht die Wette auf, gibt’s richtig Kohle.

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